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Verbloggt – Tim Spohn http://timspohn.de Autor - Gay Fiction - Urban Fantasy Wed, 17 Aug 2016 17:47:32 +0000 de-DE hourly 1 http://timspohn.de/wp-content/uploads/2014/11/IconCrop-5462035a_site_icon-32x32.png Verbloggt – Tim Spohn http://timspohn.de 32 32 78740342 Lesung Svea Lundberg und Tim Spohn – 22. Mai in Stuttgart http://timspohn.de/lessvetimstut/ http://timspohn.de/lessvetimstut/#respond Sat, 07 May 2016 18:55:51 +0000 http://timspohn.de/?p=923 Weiterlesen]]> Lesung

Svea Lundberg und Tim Spohn – am 22. Mai 2016 um 18.00 Uhr im Weissenburg e.V. in Stuttgart

Die wunderbare Svea wird aus ihrem Roman „Kristallschnee“, ich aus „Das Faustus-Institut“ und „Big Blind – Alles im Spiel“ vorlesen.
Natürlich freuen wir uns am meisten auf Fragen und Feedback – und sind bereits ordentlich aufgeregt.

Sveas Facebook-Seite findet ihr hier: https://www.facebook.com/Svea.Lundberg.Autorin/
Sie arbeitet gerade an mehreren neuen Werken, darunter auch schon die Fortsetzung zu „Kristallschnee“. Wer also wissen will, wie es Jannis und Felix weiter ergeht, kann sie unbarmherzig löchern.

Der Weissenburg e.V. war so freundlich uns einzuladen und wir sind sehr begeistert von der Arbeit von Stuttgarts schwul-lesbischem Zentrum.

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Hinten im Bus – Gewalt und Notrufe http://timspohn.de/hibupoho21/ http://timspohn.de/hibupoho21/#comments Sat, 24 Oct 2015 16:58:21 +0000 http://timspohn.de/?p=910 Weiterlesen]]> 3825328100_0d860c5090_o

Foto: purplemattfish CC BY-NC-ND 2.0

Seit einigen Wochen sitzt dieser Text hier in meinen Entwürfen und ich habe gezögert, ihn tatsächlich zu veröffentlichen. Weil er sich so privat anfühlt und Erinnerungen betrifft, die ich nur mit sehr wenigen Menschen geteilt habe. Weil er Erfahrungen wieder hochholt, die mich mehr geprägt haben, als mir oft bewusst ist. Weil es mir peinlich ist, über das alles nachzudenken und es nach so langer Zeit, mehr als 15 Jahren, wieder auszugraben.
Also habe ich den Entwurf immer wieder mal rausgesucht, aber dann doch wieder weggeklickt. Alte Wunden lieber in Ruhe lassen, spielt ja auch keine Rolle mehr heute, alles so lange her. Wen interessiert das denn noch heute?

Dann las ich diese Woche wie zwei schwule Männer, die an einer Gegendemonstration zu Pegida teilgenommen hatten, sich danach in Dresden verirrten und schließlich den Notruf wählten, als sie sich umzingelt und bedroht fühlten.
Nur dass der Notruf keine Lust hatte zu helfen. Tja, Pech. Es folgt im Text eine zweite, sehr ähnliche Story von 2010 in Stuttgart, bei der die Polizei ebenfalls nur Desinteresse an einem Notruf zeigte.
Und dieser Bericht hat mich nachdenklich gemacht. Weil mein ungeliebter Entwurf auch mit der Polizei zu tun hat und sich plötzlich, trotz des Alters der Erinnerungen, wieder aktuell anfühlt. Der Gedanke, die 112 zu wählen und spöttisches Desinteresse entgegengebracht zu bekommen, lässt Übelkeit in mir aufsteigen.

„Euch geht es doch gut heute! Ist doch alles kein Thema mehr heute“, höre ich häufig, wenn es um Homophobie geht, um Gewalt gegen LGBTQIA, um Diskriminierung und Ausgrenzung. „Ihr nehmt euch immer so wichtig. Solange ihr das nicht so offen vor euch rumtragt, wen interessiert denn, mit wem ihr ins Bett geht?“
Oder um das zu übersetzen: Ihr nervt, weil ihr ständig auf eurer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität herumreitet. Wenn ihr einfach still und unauffällig wärt, dann würde euch auch nichts passieren.
Tatsächlich findet man auch in den Medien nur noch sehr selten Berichte über homophob motivierte Gewalt. Scheint ja also wirklich kein großes Thema mehr zu sein, oder? Sonst müsste man ja ständig darüber lesen.
Doch dann stöbert man ein wenig und findet plötzlich Statistiken, wie jene aus Österreich in der jede zwanzigste LGBTQIA-Person angab schon Erfahrungen mit Gewalt gemacht zu haben. Man liest von Angriffen in Freiburg, Berlin, Stuttgart – gerade in den Großstädten, den modernen Studentenhochburgen. Letzte Woche stürmten Vermummte eine Schwulenbar in Zürich und griffen die Gäste mit Pfefferspray an. Da liest man von Marcel Rohrlack von der grünen Jugend, der nach dem CSD in München angegriffen wurde.
Alles Einzelfälle. Alles Ausnahmen. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind doch aufgeklärt und weltoffen und tolerant. Die 225 dokumentierten Fälle von Gewalt gegen LGBTQIA in Berlin 2014: Viele Einzelfälle. Viele Ausnahmen. Und das sind ja nur die gemeldeten Angriffe. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter oder als homophob/transphob erkannter Gewalttaten wird auf über 90 Prozent geschätzt.

Womit wir wieder bei meinem Entwurf wären und wieso mich der Bericht über den spöttischen Notruf so unruhig gemacht hat.
Weil ich selber Erfahrung mit Gewalt gemacht habe, weil ich schwul bin. Weil ich das Gefühl der Hilflosigkeit und Scham kenne, denn da ist diese kleine Stimme im Hinterkopf, die flüstert: „Bist du nicht ein bisschen selbst schuld? Hättest du dich unauffälliger verhalten, wärst du vorsichtiger gewesen, wärst du am besten erst gar nicht schwul geworden, hättest dich gezwungen normal zu sein, nicht so ein ekliger Homo.“
Als ich 17 war, habe ich meine ersten vorsichtigen Schritte in die Schwulenszene gewagt, habe zum ersten Mal andere Homos kennengelernt. Nach einem Besuch in einer Bar bin ich mit dem Bus nach Hause gefahren. Dummerweise habe ich mich so happy und frei gefühlt, dass ich nicht aufgepasst habe, wer mich vielleicht dabei beobachten könnte, wie ich andere Männer zum Abschied umarme. Ein dummer Fehler.
Genauso wie es ein Fehler war, mich im nahezu leeren Bus ganz nach hinten zu setzen. Wo ich mich kurz darauf umzingelt fand von mehreren jungen Männern. Die mich verspotteten, auslachten und verprügelten. Die richtig viel Spaß daran hatten, wieviel Angst und Scham auf meinem Gesicht abzulesen waren.
Als ich schließlich ausstieg, hatte ich die längste halbe Stunde meines Lebens hinter mir, eine dicke Lippe, ein geschwollenes Gesicht. Natürlich waren meine Eltern entsetzt und meine Mutter schleppte mich am nächsten Tag zur Polizei. Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt nicht geoutet. Es kam absolut nicht in Frage, dass meine Eltern erfuhren, wieso ich angegriffen worden war. Die ganze Situation auf dem Polizeirevier war wie ein surrealer Horrorfilm. Der nette Beamte mittleren Alters nahm meine Anzeige auf, während wir umgeben waren von anderen Polizisten, während meine Mutter neben mir saß, völlig außer sich.
Und alles woran ich denken konnte war: „Was, wenn er mir irgendwie ansieht, dass ich eine Schwuchtel bin? Was, wenn er mehr Fragen stellt und herausfindet, wo ich gewesen bin? Was, wenn seine freundliche Miene jeden Augenblick entgleist und ersetzt wird durch Ekel?“
Also habe ich gelogen und eine wenig glaubhafte Story gesponnen. Die Beschreibung der Täter war frei erfunden, denn ich wollte natürlich nicht, dass sie jemals gefunden wurden. Und erwartungsgemäß verlief die ganze Angelegenheit rasch im Sand.

Das Gefühl, der Polizei nicht vertrauen zu können und sich vor Wildfremden outen zu müssen – ich wage zu behaupten, dass es der Hauptgrund dafür ist, dass so wenige Gewalttaten gegen queere Menschen tatsächlich zur Anzeige gebracht werden.
Heute gibt es in den meisten größeren Städten spezielle Ansprechpartner für LGBTQIA bei den Polizeibehörden. Aber wenn man den Notruf wählt ist man dem Zufall ausgeliefert. Wie viele Polizisten marschieren privat bei Pegida mit? Wie viele Beamte sind Teil der „Demo für Alle“, Mitglied der AfD/NPD/Republikaner?
Wenn ich also eine Story lese, in der ein Notruf mit Hohn und Spott beantwortet wird, steigt Übelkeit in mir auf. Weil ich mich daran erinnere, wie es war, da hinten im Bus zu sitzen. Wie es sich angefühlt hat vor einem Polizisten zu sitzen und ihn anzulügen, weil die Alternative gewesen wäre, mich zu outen. Wie es ist, sich über Jahre hinweg Vorwürfe zu machen, weil man nicht vorsichtig genug war, nicht unauffällig genug, nicht normal genug.

Das alles ist lange her, fast mein halbes Leben. Es ist mir etwas peinlich, dass mich das alles noch heute beschäftigt, noch nicht ganz zu den Akten gelegt worden ist.
Trotzdem habe ich nach all den Jahren immer noch ein nervöses Gefühl hinten im Bus. Vielleicht wird auch niemals genug Zeit vergehen, um diesen ängstlichen, hilflosen, beschämten Funken in meinem Bauch wegzubekommen.
Aber Homophobie und Gewalt sind ja heute glücklicherweise kein Thema mehr. Zumindest für die klugen, netten, unauffälligen, stillen und gut angepassten Queers. Hurra.

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Queere Musik – Sommer 2015 http://timspohn.de/so15muokvi/ http://timspohn.de/so15muokvi/#respond Fri, 16 Oct 2015 16:41:35 +0000 http://timspohn.de/?p=895 Weiterlesen]]> Es ist ein paar Monate her, seit ich zuletzt neue Fundstücke vorgestellt habe, also Musik von oder über LGBTQIA. Da hat sich einiges angesammelt, also heute direkt 6 Songs, die mir in den letzten Monaten aufgefallen sind. Wie immer trifft nicht jedes der Lieder unbedingt meinen persönlichen Musikgeschmack, aber alle Videos haben es geschafft mein Interesse zu wecken — sei es wegen der Videos, des Textes oder der Herkunft der Künstler:

1. Mashrou‘ Leila – 3 minutes / مشروع ليلى – ٣ دقائق


Die Alternative Band Mashrou‘ Leila („Projekt einer Nacht“, oder auch „Leilas Projekt“) aus Beirut im Libanon, ist im gesamten Mittleren Osten extrem erfolgreich, obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie Tabu-Themen in ihren Songs behandeln — etwa vorehelichen Sex, Homosexualität und Genderrollen.
In weichem Arabisch vermischen sie den Pop ihrer Region mit westlichem Alternative Rock, unter Führung ihres schwulen Lead-Sängers Hammed Sinno (und es kann gerade in dieser Region nicht ganz einfach sein, geoutet zu leben und den traditionellen Elementen der Bevölkerung die Mittelfinger zu zeigen). Was sie aber besonders interessant macht ist, dass sie dem bei uns vorherrschenden Bild des Mittleren Ostens als uniformes, rückständiges, bedrohliches Gebilde widersprechen.
Jedenfalls zeigt der Erfolg der Band, dass viele junge Libanesen weit liberaler, aufgeklärter und moderner sind, als etwa die Trampel bei Pegida und den „Demos für Alle“.
In „3 Minutes“ befasst sich die Band mit Zensur und den Zwängen und Restriktionen, denen sie in ihren Liedern ausgesetzt sind.

2. Aquilo – Calling Me

Aquilo – Calling Me from Bullion on Vimeo.

Das musikalische Duo aus Silverdale in England ist ein Indie-Geheimtipp seit dem Glastonbury Festival 2014. Aufgefallen sind sie mir zuerst mit diesem Video, das perfekt das Gefühl von Entfremdung, stiller Resignation und Isolation beschreibt, das ich selber als Teenager und junger Erwachsener oft hatte. Sehr cool.

3. Anna Naklab feat. Alle Farben & YOUNOTUS – Supergirl


Es dürfte ziemlich schwierig gewesen sein, diesen Song in den letzten Monaten bei uns nicht zumindest mal gehört zu haben. Das Cover des Originals von Reamonn ist ja ziemlich cool, aber wirklich super ist das Video dazu — eine „Thelma & Louise“ Liebesgeschichte.

4. Calogero – J’ai le droit aussi

CALOGERO – J'ai le droit aussi from Les Improductibles on Vimeo.

Der französische Sänger und Songwriter ist seit den 80ern ein gefeierter Star, bei uns jedoch eher wenig bekannt. Aktuell macht er zum einen Musik in der Band Circus, aber produziert auch weiterhin Solomusik. In „J’ai le droit aussi“ (Ich habe auch das Recht) beschreibt er das Gefühl vor dem Coming-out — die Angst, die Wut, die Verbitterung. Dazu ein wirklich cooles Video, in dem ein Teenager zwischen seinen Wunschvorstellungen für sein Leben und der Realität hin- und hergerissen wird.
Großartiger Text, toller Song.

5. Libra – Sotto Pelle

LIBRA – Sotto Pelle from Antonio Filippelli on Vimeo.

Libra ist eine italienische Electro-Minimal Band, die 2013 ihr Debüt-Album herausgebracht haben. In „Sotto Pelle“ (Unter der Haut) singen sie über die Zeit nach einer Trennung, das schmerzhafte Vermissen und die Spuren, die der oder die Partner_in hinterlassen hat. Das Video dazu ist visuell interessant und hat ein paar fantastische Bilder, oft sehr surreal.

6. Julia Weldon – All I Gave Her


Die amerikanische Indie-Folk-Künstlerin behandelt das gleiche Thema, in einem komplett anderen Genre, aber die Parallelen sind nicht zu übersehen. Trennungen sind wohl etwas Universales und aus jeder Perspektive ähnlich schmerzhaft. Im Video zu „All I Gave Her“ singt sie über all den Kram, den jeder kennt nachdem eine Beziehung geendet hat.

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Kurzfilme – „El SMS“, „Estate“ und „The Last Time I Saw Richard“ http://timspohn.de/3shelestisar/ http://timspohn.de/3shelestisar/#respond Mon, 24 Aug 2015 17:08:01 +0000 http://timspohn.de/?p=886 Weiterlesen]]> Die Sommerpause neigt sich ihrem Ende zu und hier im Blog wird es auch langsam Zeit, wieder loszulegen. Also starten wir heute mit 3 fantastischen Kurzfilmen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

El SMS (Brasilien, 2015)


„Die SMS“ ist ein kurzer, wundervoller Film über Freundschaft, geschrieben von Dustin Lance Black, dem Autor des Films „Milk“.
Zwar sind die Dialoge in Portugiesisch und richtige Untertitel nur in Englisch und Spanisch verfügbar, aber es sollte nicht so schwer sein, der Geschichte zu folgen: Diego liest eine SMS auf dem Handy seines besten Freunds Rafael und erfährt dessen großes Geheimnis.
Als Teil einer Werbekampagne in Lateinamerika wurde der Film von Coca Cola herausgebracht, ist aber nicht irgendein billiges Werbefilmchen, sondern fantastisch geschrieben und gefilmt. Sehr subtil, tolle Dialoge und hat mich mit einem Lächeln zurückgelassen.

Estate – Bruno Martino (Italien, 2014)


Der kurze, melancholische Film erzählt in wenigen Minuten die Geschichte einer Beziehung, vom ersten Treffen bis zur Trennung. Zur Melodie des titelgebenden Lieds erzählt Regisseur Roberto Laureri eine wehmütige und universelle Story, mit großartigen Schauspielern Alexandre Styker and Bernardo Casertano.

The Last Time I Saw Richard (Australien, 2014)

The Last Time I Saw Richard from Nicholas Verso on Vimeo.

Ein vielfach ausgezeichneter übernatürlicher Thriller, der in düsteren, bedrückenden Bildern in nur 22 Minuten eine epische Story erzählt: Es ist 1995 und Jonah ist ein Einzelgänger in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche. Doch dann muss er sich ein Zimmer mit seinem neuen Mitpatienten Richard teilen und es entwickelt sich mehr zwischen den beiden. Aber reicht das, um sie vor den Darklings zu beschützen, die sich Nachts in den Schatten verstecken?

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Queer TV – 4 (Streaming) Serien-Tipps http://timspohn.de/votvko3se/ http://timspohn.de/votvko3se/#respond Thu, 25 Jun 2015 18:41:42 +0000 http://timspohn.de/?p=864 Weiterlesen]]> Als ich über diesen Blog-Eintrag nachgedacht habe, um eine Liste mit bemerkenswerten Serien der letzten Zeit zusammenzustellen, landeten ziemlich schnell vier von Online-Streaming-Diensten ganz oben. Das soll hier jetzt keine Werbung für diese Services sein (auch wenn ich zugegebenermaßen relativ lange ein begeisterter Abonnent von Netflix bin), sondern spricht eher dafür, dass gerade diese vergleichsweise jungen Angebote sich wohl mehr trauen. Jedenfalls haben es diese vier Serien im letzten Jahr geschafft, mich besonders mit ihrer Darstellung von LGBTQ-Figuren zu überraschen.

Ich hatte vor einiger Zeit ja bereits geschrieben über Queere Repräsentation im Kino und TV, und habe danach auch interessante Mails und Nachrichten bekommen dazu. Eine Frage stellte sich immer wieder: Ist es so erwähnenswert oder sogar erstrebenswert, dass queere Figuren in den Massenmedien auftauchen? Bringt Repräsentation wirklich was? Ist das nicht total egal?
Ich spare mir mal, die ganzen Argumente zu wiederholen. Ob man nun an den Sinn glaubt oder nicht: Wenn LGBTQ-Figuren gezeigt werden, ist ja in jedem Fall nicht unwichtig, ob sie glaubhafte, vielschichtige Charaktere sind oder nur die alten, müden Klischees.
Also hier vier Serien, bei denen sich zumindest ein Blick lohnt:

Orange Is The New Black (Netflix)

Vermutlich haben die meisten zumindest schon mal von der Serie gehört, die inzwischen zu etwas wie dem Flaggschiff von Netflix geworden ist. Seit 2013 hat die Show reihenweise Preise eingesammelt, wurde zum Kritiker-Liebling und hat begeisterte Fans. Vor kurzem erst wurde die dritte Staffel verfügbar, wie üblich mit allen Folgen auf einmal.
Die Geschichte um das Frauengefängnis Litchfield Penitentiary bietet nicht nur einen interessanten Mix aus Comedy und Drama, mit komplexen, wundervollen Charakteren, sondern vor allem auch jede Menge Perspektiven von Minderheiten, die sonst wenig auftauchen im TV.
Besonders Laverne Cox wurde über Nacht zu einer der ersten Trans-Frauen in der amerikanischen Öffentlichkeit, die wirklich sichtbar ist und fast so etwas wie die Queen der US-Trans-Community.
Definitiv eine der besten Shows der letzten Jahre und eines der seltenen Angebote, bei dem der Fokus auf weiblichen Perspektiven liegt.

Transparent (Amazon)

Eine der ersten großen Eigenproduktionen für Amazons Streaming-Service schlug auch direkt ein wie eine Bombe: Ein Golden Globe für die beste Serie und nahezu uneingeschränkter Jubel von Kritikern und Zuschauern.
Jeffrey Tambor spielt Moira, die sich, nach Jahrzehnten als Familienvater, nun als Transgender outet. Die Serie folgt ihr und ihrer Familie, beschreibt, wie sie mit diesen Änderungen in ihrem Leben umgehen.
Fantastisch geschrieben und eine der unheimlich wenigen Serien, die Trans-Personen nicht nur nicht als Freaks darstellen, sondern sogar zum Mittelpunkt einer glaubhaften Story machen. Die zweite Staffel wird noch in diesem Jahr rauskommen und eine dritte ist bereits in Arbeit.

Grace and Frankie (Netflix)

Zwei Frauen erfahren von ihren Männern, dass diese seit Jahrzehnten eine Affäre miteinander haben und nun beabsichtigen sich scheiden zu lassen, um einander zu heiraten. Was sich wie ein etwas schräger, typischer Aufhänger für eine Sitcom anhört, wird durch die Schauspieler und die wunderbare Leistung der Autoren zu einer ungewöhnlichen Show.
Eine Comedy-Serie, die mich ziemlich überrascht hat: Nicht nur, dass zwei ältere Frauen der Fokus sind (die ja in den Medien gerne spurlos verschwinden), sondern es wird zudem auch ein Lebensabschnitt schwuler Männder beleuchtet, der ebenfalls selten eine Rolle spielt: Das Alter. Neben der britischen Serie Vicious , gibt es nur eine handvoll Filme oder Serien, die sich nicht nur ausschließlich um Schwule unter 30 drehen.
Unheimlich witzige Serie, nicht zuletzt dank der Besetzung: Jane Fonda, Lily Tomlin, Martin Sheen – alles grandiose SchauspielerInnen.

Sense8 (Netflix)


Acht Personen, über die ganze Welt verstreut, sind plötzlich mental und emotional miteinander verbunden. Von den Wachowskis (Matrix) und J. Michael Straczynski (Babylon 5) kommt eine ungewöhnliche Sci-Fi Serie, die durchaus ein paar Schwächen hat. Die Vielzahl der Charaktere und das langsame Erzähltempo dürften nicht jedem gefallen.
Was die Serie so ungewöhnlich macht, sind vor allem zwei Faktoren:
Der internationale Anspruch – soll heißen, Netflix experimentiert hier mit einer Produktion, die sich global orientiert und gleichzeitig in einer Vielzahl unterschiedlicher Märkte, in denen der Service agiert, funktionieren soll. Also werden bekannte Schauspieler, Autoren und Regisseure aus den Zielmärkten verwendet (für Deutschland etwa Max Riemelt und Tom Tykwer) und die Serie wurde mit einer riesigen Menge unterschiedlicher Synchros/Untertitel versehen.
Der zweite Faktor ist noch deutlich interessanter: Ganz selbstverständlich spielen LGBTQ-Themen eine große Rolle. Mehrere der Hauptfiguren und der Handlungsstränge sind queer, werden aber nicht auf diesen Faktor reduziert.
Gerade in einem Genre wie Sci-Fi, ist es sehr erfrischend, das so selbstverständlich eingewoben zu sehen. Sense8 ist nicht perfekt, aber ein Reinschauen lohnt sich und ich bin gespannt, wie es weitergeht mit den Sensates.

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Der Anfang vom Ende – Das irische Referendum und wir http://timspohn.de/irehcdcsun/ http://timspohn.de/irehcdcsun/#comments Tue, 26 May 2015 18:31:26 +0000 http://timspohn.de/?p=843 Weiterlesen]]> Grooms

Foto: erin m CC BY-NC 2.0

Samstag. Ich klicke mich durchs Internet, gespannt darauf, wie das Ehe-Referendum in Irland ausgegangen ist. Als erstes Land der Welt ließ Irland die Bevölkerung entscheiden, ob die Ehe offen für alle Paare, unabhängig von Geschlechtskonstellation, sein soll.
Eine Rekordwahlbeteiligung und ein „Ja“ in jedem einzelnen Wahlbezirk bis auf einen haben sehr deutlich gezeigt, dass selbst in konservativen Teilen der Bevölkerung die meisten das Thema leid sind.

Luxemburg öffnete die Ehe zu Jahresbeginn und vor kurzem heiratete Premierminister Xavier Bettel seinen Partner. Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal – überraschenderweise sind es gerade Länder, die oft eher konservativ geprägt sind, die an Deutschland vorbeistürmen. Weltweit wird Irland etwa das zwanzigste Land sein (je nachdem wie man zählt), in dem gleichgeschlechtliche Paare uneingeschränkt die gleichen Rechte genießen werden, wenn es um die Ehe geht.

Status of same-sex marriage and other types of same-sex partnerships in Europe.

Same sex marriage map Europe detailed

By Silje L. Bakke [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Bei uns sind selbst unter Unionswählern zwei Drittel für eine Eheöffnung. Rein rechnerisch wäre im Bundestag auch eine Mehrheit vorhanden, um das alles in Angriff zu nehmen. Die einzige Voraussetzung wäre, dass eine Abstimmung ohne Fraktionszwang stattfindet, also jeder Abgeordnete nach eigenem Ermessen abstimmen dürfte.
Genau so hat David Cameron vor zwei Jahren in Großbritannien die Abstimmung im Unterhaus ablaufen lassen – und die Regierung dort war und ist kaum weniger konservativ als bei uns.
Aber natürlich ist das alles nicht so einfach. Merkels Regierung kümmern auch eher weniger irgendwelche Moralvorstellungen – wann hätten die schon zuletzt eine relevante Rolle in der CDU/CSU gespielt? – sondern es ist das übliche, ermüdende Taktieren und Aussitzen, wie bei allen Themen. Da will man ewig-gestrige, ultrakonservative Wählerschichten nicht verschrecken und hofft wohl insgeheim, dass alle schnell wieder abgelenkt werden.

Auch um mich herum fanden jede Menge Diskussionen zum Thema statt. Ganz selbstverständlich wurde angenommen, dass ich praktisch automatisch ein glühender Verfechter der Ehe bin und nichts sehnlicher erwarte, als endlich richtig heiraten zu dürfen.
Dabei hat mich die Ehe/Eingetragene Lebenspartnerschaft nie wirklich für mich selbst interessiert. Während ich aufgewachsen bin, gab es einfach keine Ehe für Homosexuelle, nicht einmal die Stützräderversion der Partnerschaft. Das hat alles nie eine Rolle in meinen Zukunftsvorstellungen gespielt. Als das Partnerschaftsgesetz verabschiedet wurde, war ich bereits an der Uni und das gehörte schlicht nicht zu meinen Plänen für die Zukunft. Gefreut habe ich mich trotzdem, aber mehr für die anderen, die das wirklich wollten.
Dieser Traum vom Häuschen mit Zaun und ewiger Harmonie in der Vorstadt, am besten noch mit Kindern und Hund, ist sogar eher etwas, das mich gruseln lässt. Aber ich kannte und kenne eben auch eine ganze Reihe Homo- und Bisexueller, die damals gerade die scheinbare Unmöglichkeit dieser Wunschvorstellung extrem belastet hat. Es ist nichts, was für mich wirklich attraktiv wäre, aber ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie sehr es einige damals kaputtgemacht hat, dass ihnen dieses Leben scheinbar wohl nie möglich sein würde.
In Irland werden zukünftig Teenager in dem Wissen aufwachsen, dass es egal ist, wen sie lieben. Dass ihnen jede Zukunft offensteht, die sie sich wünschen, ob mit offiziellem Ehe-Status oder als freie Beziehung.

Wobei wir ja beim eigentlichen Punkt wären: Auch wenn ich selber nicht wirklich profitieren werde und will, freue ich mich für die, die tatsächlich davon träumen. Weil ich kein egozentrischer Psychopath bin. Es nennt sich auch Empathie – leider anscheinend ein unbekanntes Phänomen in überraschend großen Teilen der Bevölkerung.
Denn neben freudigen und positiven Reaktionen auf die Nachrichten aus Irland kamen eben auch mal wieder die üblichen, dumpfen Antworten:
Gibt es denn keine wichtigeren Themen? Haben wir nichts Relevanteres zu diskutieren? Müssen sich die Homos immer so aufspielen? Müssen die das so vor sich hertragen, uns ständig damit belästigen?
Das ist so ziemlich die gewohnte Reaktion. Die gleichen Leute, die sich tagelang über eine abgelaufene Packung Milch im Laden ereifern können, sind genervt, wenn nicht nur über Themen gesprochen wird, die unmittelbaren Einfluss auf ihre eigene Existenz haben.
Alleine schon wieder das übliche Argument: „Muss das denn jeder wissen, das ihr Homos seid?“
Eine meiner absoluten Lieblingsäußerungen. Denn ich lebe eher zurückgezogen und unauffällig. Ich wüsste gerne mal, wie unsichtbar ich denn bitte noch sein soll? Soll ich besser nicht mit einem Partner zusammenwohnen, weil dann die Nachbarn ja mitbekommen, dass da zwei Typen zusammenleben?
Sollte ich auf eine Umarmung am Bahnhof verzichten? Lieber nicht gemeinsam einkaufen gehen? Besser so tun, als wären wir nur Kumpel? An welcher Stelle „trage ich das offen vor mir her“? Wo ist die magische Grenze, an der mein Verhalten andere anscheinend belästigt? Vielleicht sollte ich mir ja dann eine Alibi-Freundin zulegen, am besten eine homosexuelle Frau, dann könnten wir uns heimlich durch die Nacht schleichen zu unseren eigentlichen Partnern, damit diese zartbeseiteten Mitmenschen nicht zu Tode belästigt werden von unserer Existenz.

Ich will nicht mal die ganzen anderen müden, ausgelutschten Argumente gegen die Eheöffnung vorführen. Kindeswohl, unnatürlich, christliche Werte – es sind dieselben endlosen Debatten, bei denen man seit Jahren wieder und wieder die gleichen Argumente anführen muss, ohne dass es irgendetwas bringt.
Mir ist die Öffnung der Ehe wichtig, obwohl ich nicht vorhabe, sie zu nutzen. Weil es andere gibt, denen es wichtig ist. Und ich kein dämlicher, egoistischer Wutbürger bin, der lieber auf nutzlosen Demos mitmarschiert, um Flüchtlingen, Frauen, religiösen Gruppen und LGBTQ auf den Wecker zu gehen, als sich mal für eine Sekunde in die Haut der bitterbösen Minderheiten zu versetzen, die es einfach so wagen, weiter zu existieren.
Was, wenn diese unangenehmen, dauerfrustrierten Zeitgenossen selber Kinder oder Enkel bekommen, die LGBTQIA sind? Wird es dann plötzlich okay sein, ein Mindestmaß an höflicher Gleichberechtigung zu gewähren, weil sie plötzlich selbst betroffen sind?
Glücklicherweise ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die konservativen Bremser den Fortschritt nicht mehr aufhalten können. Zur Not werden die altbackenen Elemente eben kreischend und jammernd mit ins neue Jahrtausend geschleift. Der gesellschaftliche Fortschritt lässt sich allenfalls verlangsamen, aber wir haben den Anfang vom Ende bereits erreicht. Wie Domino-Steine werden jetzt die westlichen Nationen umfallen. In Australien, der Schweiz, Österreich, Italien – überall wird diskutiert und verhandelt, steht die Ehe für alle, die sie tatsächlich wollen, am Horizont.

Mein Herz blutet schon jetzt, ob der gewaltigen Frustration und Schmerzen der armen Wutbürger, wenn etwas geändert wird, das ihnen keinerlei Nachteile bringt. Und wieso? Weil ich die Fähigkeit zur Empathie besitze. Vielleicht sollten wir die mal in die Bildungspläne integrieren?

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3 Filmtipps: Test, Hawaii und Shelter http://timspohn.de/mayfilteha/ http://timspohn.de/mayfilteha/#respond Mon, 18 May 2015 18:10:30 +0000 http://timspohn.de/?p=836 Weiterlesen]]> Mit dem kommenden langen Wochenende, ist das doch der ideale Zeitpunkt für drei Filme aus dem Gay Cinema, die zu meinen Favoriten gehören:

Test (2013)


San Francisco, 1985: Kurz, nachdem der erste HIV-Test verfügbar wird, sieht sich Tänzer Frankie mit der Frage konfrontiert, ob er sich testen lassen soll. Die Angst vor AIDS greift um sich und verlässliche Informationen über die neue Krankheit hat fast keiner.
Ein faszinierender Blick in eine Zeit, in der Grundwissen über HIV noch nicht selbstverständlich war. Mich hat „Test“ gepackt, was auch an der nachdenklichen Stimmung und der ruhigen Romanze zwischen Frankie und Todd lag.
Test ist auf DVD und als Instant-Video verfügbar (im Orginal mit deutschen Untertiteln). Außerdem findet er sich auf Netflix US und Canada.

Hawaii (2013)


Martin kehrt nach Jahren wieder in sein Heimatdorf im ländlichen Argentinien zurück. Obdachlos und auf der Suche nach einem Job, trifft er auf Eugenio, einen alten Freund aus der Kindheit. Bald arbeitet Martin für Eugenio und zwischen den beiden entwickelt sich mehr. Doch keiner will den ersten Schritt wagen.
Hawaii ist kein einfacher Film: Er ist sehr langsam, oft über lange Strecken ohne Dialoge und verlässt sich auf Blicke, Mimik und angedeutete Informationen, um seine Geschichte zu erzählen.
Wer aber die Geduld aufbringt, wird belohnt mit einem fast hypnotischen Blick in das Leben zweier sehr authentisch wirkender homosexueller Männer in Argentinien. Tolle Schauspieler, anrührende und sehr romantische Geschichte.
Hawaii ist erhältlich auf DVD, im Original-Spanisch mit deutschen Untertiteln.

Shelter (2007)


Zach hat seine Träume, Künstler zu werden, beiseite geschoben, um für seine chaotische Familie da zu sein. Als Shane, der ältere Bruder seines besten Freundes, nach Hause zurückkehrt, beginnen die beiden gemeinsam zu surfen. Bald entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden und schließlich auch mehr.
Beinahe schon ein Klassiker, ist Shelter für mich ein richtiger Feel-Good-Movie. Romantisch, mit starken Schauspielern und tollem Soundtrack – seit Jahren einer meiner Favoriten.
Shelter gibt es als DVD, ebenfalls im Original mit Untertiteln.

Andere Filmtipps
3 LGBT-Filmtipps: G.B.F., The Sex of Angels und OUT in the Line-Up.
Filmtipp: Geography Club (2013).
Doku: Bridegroom (2013).
Filmtipp: Weekend (2011).
Filmtipp: Beautiful Thing (1996).
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Veröffentlichung: Big Blind – Alles im Spiel http://timspohn.de/relbigblda1/ http://timspohn.de/relbigblda1/#respond Thu, 07 May 2015 17:25:40 +0000 http://timspohn.de/?p=827 Weiterlesen]]> Big Blind - Alles im Spiel

Heute ist es soweit: Mein neuer Roman ist jetzt erhältlich bei Amazon, als eBook und Taschenbuch.
 
Big Blind – eBook
Big Blind – Taschenbuch

David fühlt sich überfordert: Student, Nebenjob, ehrenamtliche Arbeit.
Kai ist jahrelang mit dem Rucksack durch die Welt getingelt, weiß nicht so richtig, was er jetzt zurück in Deutschland tun soll, mal abgesehen davon, eine Wohnung zu finden.
Die beiden treffen aufeinander und können ihr Glück nicht fassen: Kai sucht eine dauerhafte Bleibe und David hat das perfekte Zimmer für ihn, in seiner WG.
Alle sind begeistert von ihrem neuen Mitbewohner, außer David. Denn bei ihm entwickelt sich bald mehr Interesse für Kai, als er zulassen will. Nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit, fehlt ihm inzwischen die Lust, sich wieder auf jemanden einzulassen.
Also bemüht er sich Distanz zu halten, weil sein Liebesleben ohnehin schon kompliziert genug ist.
Doch mit Kai im Zimmer nebenan, ist das gar nicht so leicht.

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Sei doch mal normaler! – Das Schreckgespenst der Homo-Lobby http://timspohn.de/holodiwelhe/ http://timspohn.de/holodiwelhe/#comments Thu, 16 Apr 2015 17:56:39 +0000 http://timspohn.de/?p=768 Weiterlesen]]> Sei doch mal normaler! – Das Schreckgespenst der Homo-Lobby

Foto: Danilo Urbina CC BY-NC-ND 2.0

„Ihr solltet euch nicht als anders bezeichnen. Ist doch kein Wunder, dass ihr ständig ausgegrenzt werdet, wenn ihr das selber macht“
Da sitze ich also nun, erst mal sprachlos. Mit einem einzigen Kommentar ist eine Diskussion komplett entgleist, in der wir über die Erfahrungen von LGBTQ-Jugendlichen gesprochen haben, die sich oft isoliert und eben anders fühlen.
Nach zwanzig Minuten, in denen die Debatte zunehmend hitziger wird, klinke ich mich aus. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich dieses Argument höre:
Ihr seid ja selber schuld. Mit ein bisschen mehr Diskretion und Anpassung wäre das alles kein Problem. Die Trans-Person kann ja auch nur Zuhause ihre/seine wahre Gender-Identität ausleben und sich sonst „verkleiden“. Ein_e Trans-Jugendliche_r kann ja auch erstmal warten, bis er/sie erwachsen ist, eine ungewollte Pubertät durchgemacht hat und dann die Hilfe bekommt, die er/sie braucht.
Die gleichgeschlechtlichen Paare können ja durchaus auch außerhalb der Wohnung so tun, als wären sie nur richtig enge Freunde.
Und so weiter und so fort.
Alles durchaus zumutbar, wenn man ein bisschen versucht sich anzupassen an die Mehrheit.

Unterschwellig schwingt für mich da mit: Warum könnt ihr nicht einfach normal sein? Wieso könnt ihr nicht einfach mal ein bisschen weniger sichtbar werden und zufrieden sein, mit dem, was wir euch zugestehen an Rechten und geduldeter Gleichstellung?
Und mir fällt nie rechtzeitig eine schlagfertige Antwort ein, wenn ich das höre.
Wobei diese Argumentation in der Regel von eigentlich aufgeschlossenen Leuten kommt, die wirklich kein Problem mehr sehen, wenn es um andere sexuelle Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten geht. Vor einiger Zeit etwa von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter in einem Jugendzentrum für queere Jugendliche. Zudem sind es auch gerne Schwule, die vergessen, dass es auch noch andere Minderheiten gibt, die sich zu LGBTTIAQ zählen. Und für Trans-Personen etwa ist bei weitem nicht alles so nett heute, wie für uns Schwule.
Aber immerhin sind wir wirklich weit gekommen, mit der Toleranz und Akzeptanz, verglichen mit früher.
Heute hat sogar die AfD eine Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD. Und wenn das nicht Realsatire ist, weiß ich auch nicht weiter.

Warum können wir nicht normal sein, diskreter und uns unsichtbarer machen?
Und damit sind nicht die CSDs gemeint, über die man durchaus geteilter Ansicht sein kann: Das fängt schon an bei dem Wunsch gleichgeschlechtlicher Partner, in der Öffentlichkeit mal Händchen zu halten. Muss das denn sein? Das will doch keiner sehen!
Warum können wir nicht die Klappe halten und zufrieden sein, mit dem, was wir erreicht haben?
Weil unter der scheinbar so aufgeklärten und toleranten Oberfläche unserer Gesellschaft, immer noch jede Menge Ablehnung brodelt. Seit Anfang des Jahres schwappt wieder eine neue Welle der Homophobie und Anti-Gender-Bewegung durch die Medien.
Zig Talkshows, Kolumnen und Artikel widmen sich der bitterbösen Homo- und Gender-Lobby. Ein paar meiner Lieblingszitate:

Die Landesregierung Baden-Württemberg plant hinter verschlossenen Türen aus totalitärem Denken heraus eine Gehirnwäsche. Es geht dem gesamten Bundesland an den Kragen

So Birgit Kelle, die momentan wieder durch alle Talkshows geschleust wird, damit sie für ihr dämliches Buch werben kann. Dass sie den erzkonservativen Legionären Christi nahesteht, macht sie nur noch sympathischer. Wer schätzt nicht ein paar Legionäre in seiner Umgebung. Anachronismus und religiöser Fundamentalismus – eine attraktive Kombination.

Können Kinder durch Schulunterricht schwul werden? Natürlich nicht, aber bisexuell. Mit Bisexualität wird Untreue mitgeliefert.

Auch die katholische Theologin Michaela Freifrau Heereman hat alles ganz genau durchschaut. Wer bi ist, hat ja praktisch keine andere Wahl, als sich willenlos allem an den Hals zu werfen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber gut. Katholisch und Adelstitel – da ist jemand noch im 19. Jahrhundert gefangen und sucht verzweifelt eine Zeitmaschine.
Dass die sexuelle Orientierung schlicht nicht beeinflussbar ist, durch noch so viel Aufklärungsunterricht und Gehirnwäsche, steht ja erst seit ein paar Jahrzehnten fest. Da hat die Dame durchaus noch Zeit, bis sie diese News erreichen werden.

Für mich ist die Schöpfung darauf ausgerichtet, dass Mann und Frau sich zusammentun, um Kinder auf die Welt zu bringen. Daraus und vom Wohl des Kindes her gedacht kann ich mir ein Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare nicht vorstellen

So tönte Guido Wolf, der Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg, letzte Woche. Das ist genau, was man von einem Ministerpräsidenten möchte: Politik mit religiöser Grundlage. Nächster Punkt auf der Agenda ist dann wohl das Verbot von Meeresfrüchten und die Einrichtung von Evakuierungszentren für die nächste Sintflut.

Mein ganz persönlicher Favorit ist aber die Pegida-Bürgermeisterkandidatin in Dresden, Tatjana Festerling:

Wir wollen übrigens auch nicht den Terror der schwul-lesbisch-queren-intersexuellen Minderheit, die unsere Kinder mit ihrem überzogenen Sexualscheiß schon in der Grundschule traumatisieren. Wer hat uns überhaupt jemals gefragt, ob es unseren Kindern gut tut, mit sechs Jahren zu lernen, wie sich lesbische Paare befriedigen?!

Es ist ja grundsätzlich schon eine richtige Empfehlung, wenn jemand selbst der AfD zu weit rechts ist. Schade, dass ich nicht in Dresden wohne. Bei so gut formulierten Argumenten könnte ich nicht widerstehen, meine Stimme sofort dieser weisen Rhetorikerin zu geben.
Tausende Menschen bejubeln diese Dame. Und kehren dann zurück in Arztpraxen, Ämter, Schulen, Unis, Gerichte, Polizeistellen, etc., etc. Das würde mir als Einwohner Dresdens ein warmes und wohliges Gefühl bescheren: So viele nette Menschen um mich herum, die mich hassen.

Wieso also können wir das Thema „Rechte für Minderheiten“ nicht abschließen und uns glücklich und zufrieden der Mehrheit anschließen? Weil nicht wir es sind, die uns abkapseln und ausgrenzen.
Es sind nicht die Trans-Personen, die darum bitten angestarrt und ausgelacht zu werden.
Es sind nicht die gleichgeschlechtlichen Paare, die in der Öffentlichkeit belächelt und verhöhnt werden möchten.
Es sind nicht die Asexuellen, die darum bitten von ihren Ärzten als „frigide“ und „gestört“ diagnostiziert zu werden.
Dieser Stempel „Du bist Anders“ wird uns von außen aufgedrückt. Und natürlich können wir versuchen uns besser anzupassen, weniger sichtbar zu werden, nicht anzuecken.
Mein Freundeskreis besteht zum allergrößten Teil aus Nicht-LGBTQs. Mit der Schwulenszene oder einschlägigen Clubs und Bars habe ich wenig zu tun. Aber trotzdem werde ich nicht anfangen so zu tun, als sei ich nicht homosexuell. Und ich werde definitiv nicht darauf warten, dass man uns gnädig weitere rechtliche Gleichstellung und Akzeptanz zukommen lässt.

Während um uns herum ein europäisches Land nach dem anderen die Ehe öffnet für gleichgeschlechtliche Paare, warten wir auf ein Bauchgefühl unserer Kanzlerin.
Es wird erbittert darum gekämpft, dass in Schulen kein Wort über sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten verloren wird. Die Demo für Alle trampelte mit 2400 Teilnehmern Ende März durch Stuttgart, ein schönes Signal für uns, wie willkommen wir sind in einigen Teilen der Gesellschaft.
Vor zwei Wochen wurde ein schwules Paar in Freiburg angegriffen und einer der Männer wurde krankenhausreif geprügelt.

Ich bin der erste, der sich freuen würde, wenn es wirklich keine Rolle mehr spielen würde ob ich mit einem Mann zusammen bin oder einer Frau. Oder ob jemand sich außerhalb der binären Gender-Rollen einordnet.
Aber bis das der Realität entspricht, nehme ich mir das Recht heraus, darauf hinzuweisen, wenn mir was nicht passt. Wer deshalb einen Sitzkreis veranstalten möchte, um bei lecker Mate-Tee zu feiern, wie super-duper gleich und tolerant wir alle sind, der darf das gerne tun. Ich steh dann draußen und kann mir ein spöttisches Lachen vermutlich nicht verkneifen.

Leseempfehlung aus dem Zaunfink-Blog für alle, die richtig doll Angst haben vor der Homo-Lobby: Antilopen, die Löwen fressen. In elf einfachen Lektionen zum Terror-Opfer

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April 2015 – 7 LGBTQ-Musiktipps http://timspohn.de/ap715lgmut/ http://timspohn.de/ap715lgmut/#respond Wed, 08 Apr 2015 18:53:45 +0000 http://timspohn.de/?p=754 Weiterlesen]]> Wieder ein Monat rum und in den letzten Wochen gab es eine richtige Flut neuer Musik von queeren Künstlern und/oder über LGBTQ-Themen. Also diesmal gleich 7 meiner Favoriten der letzten Zeit:

1. Josef Salvat – Hustler


Der australische Sänger wurde letztes Jahr bekannt durch ein Cover von Rihannas Diamonds. Das neue Video zu Hustler hat schon fast etwas von einem Kurzfilm und spielt mit Themen wie Bi-/Pansexualität und gekaufter Intimität.

2. Ryan Amador w/ Jo Lampert & Gyasi Ross – Spectrum


Sänger Ryan Amador kollaborierte mit Gyasi Ross und Jo Lampert um einen Gute-Laune-Song zum Spektrum der Sexualität rauszubringen. Leichter Pop mit netter Botschaft.

3. The Young Professionals – All Of It But Me


The Young Professionals – All Of It But Me on MUZU.TV.
Das israelische Duo, Ivri Lider und Johnny Goldstein, thematisiert seit langem Homosexualität und fluide Genderidentität in seinen Songs. Und auch im neuesten Dance-Hit findet sich wieder viel queere Ästhetik wieder.
Sehr cooles Video.

4. Devonté Hynes and Neneh Cherry – He She Me


Der britische Musiker und die schwedische Sängerin wurden von der High-End-Ladenkette Selfridges (die in der Vergangenheit mit einigen extrem zweifelhaften Aktionen in der Presse waren, etwa „Anti-Obdachlosen-Spießen“ vor ihren Läden) engagiert, eine neue Kollektion von Agender-Kleidung zu promoten.
Mal ungeachtet des Grunds, aus dem Song und Video entstanden, sind sie trotzdem ziemlich interessant und es kann ja nur ein gutes Zeichen sein, wenn genderqueere Ästhetik im Mainstream ankommt.

5. Jaime Kohen – Tu de Rojo y Yo Amarillo


Der in Mexiko extrem erfolgreiche Musiker hat diesen Song bereits letztes Jahr rausgebracht, kurz nach seinem Coming-out. Sehr nettes Lied und Video, besonders weil man hier sonst recht wenig mitbekommt von den Kampagnen für gleichgeschlechtliche Ehe in Südamerika.

6. Shura – Indecision

Shura – Indecision from Hilow Films on Vimeo.

Die britische Indie-Synthpop-Sängerin behandelt in ihrem Video die Themen Geschlechtsidentität und gesellschaftliche Erwartungen und spielt gekonnt mit den Schlüssen, die man als Zuschauer anfangs automatisch zieht. Ziemlich cooles Video.

7. AYER – Digital Fantasy

DIGITAL FANTASY from RICK DAY / RICKDAYNYC on Vimeo.

Der Musiker und Visual Artist aus Brooklyn verarbeitet in seinem letzten Video die Art, wie die digitale Welt Dating verändert hat. Was ja gerade innerhalb der Schwulenszene eine sehr tiefgreifende und rasche Veränderung ausgelöst hat.
Mir gefallen AYERs Songs ohnehin und dieses Video ist zudem noch visuell sehr interessant.

Ältere Musiktipps:
März 2015 – 5 LGBTQ-Musiktipps
Februar 2015 – 5 LGBTQ-Musiktipps
Januar 2015 – 6 LGBTQ-Musiktipps
Dezember 2014 – 5 LGBTQ-Musiktipps
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